Eiszeit (eine zu 99% wahre Geschichte)

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Wir Genießer trinken unseren Whisky selbstredend handwarm und niemals mit Eis.

Das hat 1000 gute Gründe die ich, da bin ich mir sicher, nicht mehr näher zu erläutern brauche.

Die Bestätigung, dass dies seine Richtigkeit hat, erhielt ich eher unfreiwillig diesen Winter in meinem Stammpub.

 

-15°C im Freien verleiten einen fast dazu heißen Tee zu bestellen, was wir Männer natürlich nicht machen.

So weit kommt’s noch!

Bibbernd ordern wir beim letzten Stammtisch also 4 saukalte Guinness und als Ausgleich 4 Whiskys,

zum erhofften Erwärmen von innen. (4 verschiedene übrigens. Wird noch eine wichtige Rolle spielen)

 

Nun muss man dazu wissen, dass es in der Kneipe an diesem Abend maximal gefühlte 16°C „warm“ war.

Der einzige traurige Ölofen im O`Neills kämpfte vergeblich gegen den eindringenden Winter.

Dafür hatte es dank Elektroradiator 30°C Plus in der Herrentoilette. Aber wer will da schon sein Bier trinken.

 

Der Barkeeper war an diesen Abend wohl auch etwas gefrostet, denn als er uns die bestellten Whiskys brachte,

wusste er nicht mehr so genau welcher welcher war.

Großartig! Etwas voreilig sag ich zu ihm: Stell her, ich riech` schon raus welcher welcher ist.

 

Nun hab ich mir in meinem Freundeskreis den Ruf erarbeitet, mich ein wenig mit dem Zeug auszukennen

und kam jetzt, trotz Kälte, arg ins Schwitzen.

Ich schnüffel am ersten - nix! Ich hänge meine Nase in den zweiten - auch nix!

Der Dritte - ein Hauch Rauch ? Beim Vierten bin ich mir sicher, wir werden hier verschaukelt!

Werden Opfer der versteckten Kamera um einen selbsternannten Whiskykenner mit gefärbtem Wasser

als Angeber zu entlarven.

Sollte ich nach 25 Jahren Treue zu diesem Etablissement so was erleben müssen?

 

Doch dann passiert das Whiskywunder!

Beim Staunen über dieses geruchlose Getränk, das Tastingglas fest in der Hand, wird das Flüssige langsam warm.

Und da war es, das Zauberwort: Warm!

Die Dämpfe steigen ins Glas und geben das preis, was dieses Getränk ausmacht.

 

So ist es gut und richtig. Mindestens Zimmertemperatur, besser handwarm soll er sein.

Schon ist es keine große Kunst mehr, den bestellten Redbreast vom Isle of Jura und den

Glenmorangie vom Caol Ila zu unterscheiden.

 

Geht doch!

 

 

                                                                                                                                                                                                

                                                                                                                                                                         S.M. 2012